Freilichtspiel "Brandwunden" von Erich Reiss

Der historische Hintergrund.
Ein schwerer Schicksalsschlag ereilte Neuötting im Jahre 1797. Ein Brandunglück ungeheuren Ausmaßes zerstörte nahezu die gesamte Stadt. Das Feuer brach am 28. Juni gegen 10:45 bei einem Metzger, vermutlich in der Ludwigstraße 40, aus. An diesem Tag brauste tragischerweise ein ungewöhnlich stürmischer Wind über die Stadt hinweg, der das Feuer anheizte und rasch auf andere Häuser übertrug. Um 12:30 stand nach Zeugenaussagen schon die ganze Vorstadt um den Sebastiansplatz hell in Flammen und aus den Häusern der Unteren Stadt (beim Burghauser Tor) waren fast alle geflohen. Durch die starke Rauchentwicklung und die brütende Hitze war eine Brandbekämpfung mit den damaligen Mitteln nahezu unmöglich. Die Bürger der Stadt und die Helfer von auswärts versuchten zu retten, was zu retten war, aber auch hier schlug das Schicksal erbarmungslos zu. Die Feuersbrust hinterließ tiefe Wunden im Stadtbild aber auch physisch und psychisch bei den Menschen. Um genau diese menschlichen Brandwunden im Positiven wie im Negativen handelt das Freilichtspiel.
Zentrale Figuren
Als stiller Beobachter und Genießer der Szene sitzt Quirin, ein introvertierter, intelligenter Sonderling, dem die Kinder gerne zuhören, am Rande des Geschehens. Florian, der „Platzhirsch“ tritt im Gefolge seiner Getreuen auf und lenkt lautstark sofort alle Aufmerksamkeit auf sich. Er ist mit Magdalena, der schönsten und begehrtesten am Ort verheiratet, was Florian nicht als Schürzenjäger bremst. Seine Gefährten bewundern ihn dafür und amüsieren sich darüber. Die anderen mischen sich nicht ein, weil sie sich nicht anlegen wollen. Florian macht sich regelmäßig öffentlich über Quirin lustig, obwohl er insgeheim dessen Fähigkeiten durchaus einzuschätzen weiß. Um den nach außen starken Florian und den Sonderling Quirin rankt sich die Geschichte, die sich durch den Brand und damit verbundenen Schicksalsschlägen stimmungsmäßig ins Gegenteil verkehrt aber am Ende harmonisch ausklingt.
zum Inhalt
Die fiktive Geschichte spielt um den Marienbrunnen am Stadtplatz als Mittel-, Ausgangs- und Endpunkt der Handlung. Am Brunnen trifft man sich zum Ratschen, Informationsaustausch, Leuteausrichten, Singen, Tanzen, Feiern und erhält per Ausrufer die Informationen und Anweisungen der Räte. Das Stück beginnt mit der sukzessiven Vorstellung der Beteiligten und Charaktere. Dabei wird ein positives Stimmungsbild erzeugt. Den Bürgern/Volk in der Handelsstadt am Inn geht es gut. Kinder treten auf und spielen um den Brunnen, scherzen, bespritzen sich mit Wasser, Buben necken Mädchen. Frauen kommen singend hinzu um Wasser zu holen und Wäsche zu waschen. Als das Feuer ausbricht erweist sich der scheinbar schwache Quirin als krisenfest, stark und mutig. Ohne zu zögern und Rücksicht auf sein Leben rettet er andere. Dadurch erobert er die Herzen der Helfer im Sturm. Sie tun es ihm gleich und folgen seinen souveränen Anweisungen. Der vermeintlich Starke entpuppt sich zunächst als Feigling, will nicht eingreifen und stellt Quirin als Wahnsinnigen dar, der ruhig verrecken kann. Als aber Quirin die Rettung gelingt, wenden sich sogar die besten Freunde von Florian ab. Er nimmt allen Mut zusammen und wird ebenso zum Helden, mit dem Makel des Feiglings. Trotz großer Anerkennung für seine Taten, findet er aber kaum mehr Freunde. Zu Schluss sind alle auf Quirins Seite, der die Leute zusammenruft und in einer flammenden Rede zum Zusammenhalt und Wiederaufbau motiviert. Alle erwarten von ihm eine Führungsrolle, doch er weiß genau, dass er dieser Herausforderung alleine nicht gerecht wird. Lasst uns zusammenhalten, nur gemeinsam wir schaffen das. „Wir sind Neuötting“.
Alle freuen sich und feiern den Aufbruch in ein neues Neuötting.
Veranstalter : Stadt Neuötting
Gesamtorganisation: Freiwillige Feuerwehr Neuötting

