Presseartikel Pilotlehrgang - Quelle PNP vom 07.12.11
Wie bringt man Kindern bei, richtig mit Feuer umzugehen? Und: wie bringt man es Kindergärtnerinnen oder Grundschullehrern bei, den Kindern richtig zu vermitteln, dass Feuer einerseits eine tolle Sache sein kann, aber auch ganz gefährlich?
Diese Fragen versucht Ramona Fenk, Studentin der Sozialpädagogik in Regensburg und aktiv bei der Neuöttinger Feuerwehr, in ihrer Bachelor-Arbeit zu beantworten. Und zu ihrem Bachelor-Thema hat die 25-Jährige auch gleich ein Seminar mit vorbereitet − und so bat die Wehr kürzlich zum ersten Brandschutz-Erziehungs-Seminar ins Feuerwehrhaus.
Bisher noch ganz wenig Literatur zum Thema Die Wehrleute haben klein angefangen: Acht Feuerwehrleute und zwei Erzieher nahmen an dem Seminar teil, aber schließlich muss man ja auch erst selbst einmal wissen, wo es lang geht, wie man die Thematik kindgerecht vermitteln kann, damit Kinder den Umgang mit Feuer lernen und im Notfall richtig reagieren. Und: Für das nächste Seminar am 25. Februar haben sich jetzt schon einige Erzieher angemeldet.
Dass Ramona Fenk sich in Sachen Brandschutz-Erziehung spezialisiert, hat sich aus ihren verschiedenen Interessen und den Interessen der Wehr ergeben. Als sie 14 Jahre war, wollte sie eigentlich schon zur Wehr, doch damals nahmen die Neuöttinger noch keine Mädels. Ramona bedauerte das. Denn Feuer − egal ob Sonnwendfeuer, Lagerfeuer oder Kerze − fand sie schon immer faszinierend: "Ich spiel heute noch gerne mit Kerzen,wenn sie auf dem Tisch stehen", gibt sie zu. Bis sie zur Wehr gehen konnte, dauerte es noch ein bisschen − zwischenzeitlich sind es fast vier Jahre, dass sie dabei ist.
Von der Ausbildung her ist Ramona Fenk eigentlich Erzieherin, doch auf dieses Ausbildung setzte sie noch ein Studium der Sozialpädagogik in Regensburg drauf.
Dann hat 2. Feuerwehr-Vorstand Jürgen Gastel davon erzählt, dass er und Josef Putz ein solches Seminar planen und sie gefragt, ob sie da mitmachen wolle. Gesagt, getan − und bei der Vorbereitung stellte sich heraus, dass es zur Thematik Brandschutzerziehung erst ganz wenig Literatur gibt.
Das soll sich jetzt wenigstens ein bisschen ändern. Ramona Fenk will ihr Konzept zur Brandschutz-Erziehung, das sich an Kindergärten und Schulen richtet, im Januar fertig haben.Grundlagen bietet ihr ein Konzept vom Landesfeuerwehrverband und ein so genannter Brandschutz-Erziehungs-Koffer, aus dem auch die Puppe "Flori" gezaubert wird. Mit der Puppe kann man den Draht zum Kind leichter finden − und so die Themen vermitteln. So zum Beispiel, dass es Brandschutzerziehung ja auch schon früher gegeben hat − nur ganz anders: Aus dem Jahr 1844 stammt die Geschichte aus dem Struwwelpeter "Paulinchen war allein zu Haus", die aber in erster Linie Angst macht.
Feuer im Film fernab jeglicher RealitätDabei sollen die Kinder ja verstehen, um was es geht, verstehen, dass Feuer Freund und Feind gleichermaßen sein kann. Freund etwa als Kerze auf dem Adventskranz oder als Sonnwendfeuer, Feind als zerstörerischer Brand. Problematisch sei heutzutage, dass die wenigsten Kinder Erfahrungen mit Feuer im Haushalt gemacht haben − früher gab es oft noch den Holzofen, man machte mehr Lagerfeuer. Heutzutage findet das offene Feuer bestenfalls im Sommer auf dem Grill statt − und da gibt es auch nicht immer vorbildlichen Umgang mit Materialien wie Spiritus.
Mit den Materialien aus dem Brandschutz-Koffer kann man unter Anleitung ausprobieren, wie man ein Streichholz richtig anzündet, man kann Experimente machen − oder mit den Telefonen verdeutlichen, wie man einen Notruf richtig absetzt. Wichtig sei, dass die Kinder ausprobieren könnten.
Auch will Ramona Fenk klarmachen, dass das Bild von Feuer in Film und Fernsehen − also das, was die Kinder oft unkommentiert sehen − fernab jeglicher Realität ist: Dass der tolle Held im Film noch einmal ins brennende Haus rennt, um die Leute vor dem drohenden Tod zu retten, ist eines − dass der Held in der Realität ganz fix wegen einer Rauchvergiftung handlungsunfähig wäre, eine andere. Das hat sie unter anderem beim Atemschutzlehrgang gelernt − die junge Dame ist nämlich Atemschutzträgerin bei der Wehr.
Jetzt, im Advent, gibt es wieder reichlich Gelegenheiten, mit dem Feuer zu spielen. Auf dem Adventskranz im Hause Fenk gibt es noch echte Wachskerzen. Aufpassen ist aber hier oberstes Gebot. Auf dem Christbaum verzichten sie aber lieber auf das flackernde Kerzenlicht und setzen auf elektrische Lichterketten: "Die anderen sind viel zu gefährlich", sagt die junge Feuerwehrfrau. ina −
Das Tagesseminar: "Brandschutzerziehung in und mit Kindergarten und Schule" wird in Zukunft zweimal jährlich im Februar und Oktober angeboten. Das nächste Seminar findet am Samstag, 25. Februar, satt. Teilnehmen können Pädagogen aus Kindergärten und Schulen und Mitglieder der Feuerwehren im Landkreis Altötting. Anmeldung per Mail an info(at)feuerwehr-neuoetting.de. Informationen gibt es bei Jürgen Gastel unter 0171/3812140.

